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Cornet-IP
IP-Kommunikation ohne Abstriche
Telefonieren ist längst mehr als nur Sprachübertragung. Viele der von ISDN her bekannten Funktionen - wie etwa Anklopfen oder Rückruf - sind allerdings mit Einführung der IP-Anlagen verschwunden. Dank neuer Protokolle wie Cornet-IP ändert sich das.
Die Hauptvorteile des Internet-Protokolls im Vergleich mit anderen Übertragungsstandards sind klar: hohe Flexibilität, eine Chance auf Vereinheitlichung der Netz-Infrastruktur, damit neue Anwendungen und Verringerung der laufenden Kosten durch optimierte Ausnutzung der vorhandenen Ressourcen. Kritiker bemängeln allerdings schon lange, dass zum Beispiel eine Voice-over-IP-Anwendung mit Standard-IP im Vergleich zu einer klassischen Telekommunikationsanlage im ISDN-Netz nur wenige Leistungsmerkmale bietet. Über Makeln, Anrufweiterschaltung oder kleinere Telefonkonferenzen hinaus geht in der Regel nicht viel. Das heißt, dass Anrufübernahme, Anklopfen, Rückruf signalisieren, sofern der Teilnehmer nicht am Platz ist, alle möglichen Team-Funktionen und weitere rund 1000 mögliche Funktionen nicht mit einfachen IP-Anlagen zu realisieren sind. Dabei wird es gerade für den neuen Typus der konvergenten Anwendungen immer wichtiger, die ausgefeilten Leistungsmerkmale des ISDN, die bislang mit Signalisierungsprotokollen wie DSS (Euro-ISDN) oder QSIG dargestellt werden, in die neue IP-Welt zu übertragen.
Dazu gibt es erste Ansätze der Standardierung wie H.323, das Session-Initiation-Protocol (SIP), das Media-Gateway-Control-Protocol (MGCP) oder die ITU-Empfehlung H.248 (Megaco beziehungsweise RFC 2885 der IETF). Die Basis dieser vier Protokolle wiederum bildet das Realtime-Transport-Protocol (RTP), das die Audio- beziehungsweise Multimedia-Übertragung abwickelt. Letztlich geht es auch um Fragen der "Quality-of-Service", die durch Methoden wie Priorisierung von Datenpaketen oder ausgetüftelte Policies sichergestellt werden kann.
Fortschreitende Standardisierung
Doch all diese Protokolle sind entweder noch nicht endgültig standardisiert oder decken nur einen Teil der benötigten Signalisierungs- und Kontrollfunktionalität ab. Deshalb hat Siemens mit Cornet-IP ein auf den Standards aufbauendes Interworking-Protokoll entwickelt, das sämtliche von den Hipath-Systemen gewohnten Funktionen über ein IP-Netz bereitstellt.
Cornet-IP bildet dazu das zwischen Hipath-Plattformen verwendete Signalisierungsprotokoll Cornet in den IP-Standard ab. Sind bereits Datenleitungen vorhanden, so werden für eine Kopplung dieser Systeme keine separaten Standleitungen mehr benötigt. Vielmehr kann die Vernetzung über ein Virtuelles-Privates-Netzwerk (VPN) erfolgen, im lokalen Bereich auch über lokale Netzwerke wie Ethernet oder Token-Ring. Das macht etwa die firmeninterne Sprachvernetzung für Unternehmen mit mehreren Standorten preislich attraktiv. Das gilt auch für die Verknüpfung von Datenbanken und Kommunikation, zum Beispiel bei der Nutzung von Kundendaten in Call-Centern. Gerade dort werden aber auch Telefone auf IP-Basis mit höchstem Komfort benötigt -- und genau daran haperte es in der Vergangenheit.
So wird Cornet-IP zur Basis für die Kommunikation und für das Interworking sowohl in leitungsvermittelten als auch in paketvermittelten und gemischten Netzwerkumgebungen. So wird sichergestellt, dass alle Teilnehmer im Netz über die gleichen Leistungsmerkmale verfügen. So funktioniert etwa die Rufnummern- und Namensanzeige auf jedem Teilnehmerapparat -- gleich, ob der Mitarbeiter einen Kollegen anruft, der innerhalb des schon bestehenden TDM-Netzes sitzt, oder einen, der etwa in einer Filiale über einen neuen IP-Client angebunden ist. Auch ein Qualitätsunterschied zwischen den unterschiedlichen Verbindungstypen bemerken die Teilnehmer nicht. Dazu stellt Cornet-IP einerseits die Interoperabilität zwischen den höchst unterschiedlichen Systemen und andererseits die Implementierung der ISDN-Funktionen auf IP-Telefonen und Software-Clients sicher. Von wesentlicher Bedeutung ist dabei, dass sowohl auf Seite der Clients als auch der gesamten Vermittlungstechnik die Standard-IP-Protokolle und -Schnittstellen verwendet werden, so dass keine propriertären Abhängigkeiten entstehen und die bereits vorhandenen Infrastrukturen weiter nutzbar sind.
Cornet-IP erlaubt darüber hinaus die Dezentralisierung der bisher zentral bereitgestellten Telefonie-Funktionen. So lassen sich beispielsweise vorhandene Hicom-Baugruppen, Hipath-Konvergenzplattformen oder auch Soft-Switches flexibel über das gesamte Netzwerk verteilen. Dabei sind unterschiedliche Teilnetze wie IP, ISDN, ATM, klassische analoge Leitungen oder sogar Mobilfunk zusammensetzbar. All diese Bestandteile der so mit Cornet-IP geschaffenen Kommunikationsplattform können an einem zentralen Standort zusammengefasst werden, lassen sich aber genauso gut auch über die Etagen eines Hochhauses, den Campus oder das WAN verteilen.
Offene Architektur
Die offene Architektur mit Standard-APIs verknüpft dieses vernetzte System mit den darüber ablaufenden Geschäftsanwendungen. Ob diese Anwendungen vom Kundenunternehmen selbst, von Siemens oder anderen Anbietern stammen, bleibt technisch besehen ganz dem Kunden selbst anheim gestellt.
Weil die APIs konsequent mit Standards wie Java oder XML arbeiten, lassen sich die darauf aufbauenden Anwendungen plattformunabhängig entwickeln. Das entkräftet den Kritikpunkt von Analysten wie IDC, wonach unterschiedliche Standards die Verbreitung der IP-Telefonie behindern. Außerdem spielt es für alle Anwendungen, die auf diesen APIs aufbauen, keine Rolle, dass Echtzeit-Kommunikationssysteme noch langfristig unterschiedliche Protokolle werden nutzen müssen.
Entkopplung von Anwendungen und Infrastruktur
Wichtig ist vor allem die mit dem API-Ansatz mögliche Entkopplung der langlebigen Anwendungen von der schnelllebigen Internet-Entwicklung: Damit erhält ein Unternehmen die dringend notwendigen Wahlmöglichkeiten, den jeweils optimalen Weg bei der Migration vom klassischen leitungsvermittelten Netz auf IP einzuschlagen. Denn dieser Weg ist in der Regel nicht in einem einzigen großen Schritt zu bewältigen, sondern erfordert meist abhängig vom Return-on-Invest der einzelnen Schritte mehrere Jahre Zeit. Genau deshalb ist es auch wichtig, dass das Migrationskonzept einen Mischbetrieb von klassischer Telefonie und Echtzeitkommunikation über IP erlaubt.
Weil sich jedoch derzeit noch kein allgemeingültiger Protokollstandard abzeichnet, ist unterhalb der Kommunikationsschnittstelle vor allem Multiprotokollfähigkeit gefragt, um der Falle proprietärer Ansätze aus dem Weg zu gehen. Ein Plattformansatz mit der Feature-Anreicherung durch Cornet-IP gestattet das -- und gewährleistet gleichzeitig die schnelle, effiziente und langlebige Implementierung der gewünschten Applikationen und Leistungsmerkmalen über das IP-Netz.
Die Features von Cornet-IP:
- Bildet eine Intelligente Schnittstelle zwischen Kommunikationsservern und dem zentralisierten multifunktionalen Applikationsserver.
- Realisiert Signalisierung und Kontrolle für IP-basierte Clients, zum Beispiel Hipath-Opticlient- und Hipath-Optipoint-IP-Telefone.
- Überträgt Signalisierungs- und Kontrollnachrichten zwischen den vernetzten Zugangspunkten.
- Eröffnet Sprachkommunikationswege zwischen herkömmlichen Peripheriegeräten, wie Telefonen oder Amtsleitungen, und LAN-angebundenen IP-Clients (Interworking) über beliebige Kombinationen aus leitungsvermittelten, paketvermittelten oder gemischten Umgebungen.
- Erweitert die Hipath-Sprachleistungsmerkmale und - applikationen auf dezentrale Standorte über das IP-Netz des Kunden, ohne Einschränkung im Leistungsmerkmalangebot bei Implementierung auf IP Clients.
- Ermöglicht den Betrieb in einem einheitlichen System über die dezentrale Hipath-IP-Architektur.
- Erlaubt IP-Networking über den Campus hinaus sowie die Nutzung der Hipath-Leistungsmerkmale und -Applikationen an entfernten Standorten.
- Bietet Transparenz der Leistungsmerkmale quer durch das Unternehmen.
- Schafft Wahlfreiheit: Schrittweise oder "Big Bang"-Migration von leitungsvermittelten zum paketvermittelten IP-Netz.
- Konsequente Ausrichtung an Standards sorgt für Schutz der notwendigen Investitionen; vorhandene Endgeräte können weiter genutzt werden und veralten nicht.
Weitere Informationen im Internet unter:
http://www.hipath.de